5. Oktober 2007

Kampf den Floehen!

04.10.2007, Bukarest
Heute hatte ich mal wieder frei. Was mich schon etwas daran stört ist, dass ich eigentlich nicht wirklich weiß, ob ich frei habe oder nicht, oder ob ich nicht in der nächsten Stunde nen Anruf bekomme, um zu einem Treffen zu kommen. Mir sagt ja keiner was...
Daher machte ich mir heute mal einen gemütlichen Tag, ging einkaufen und wusch Wäsche. Ich glaub, ich hab mir in Apold nen Floh geholt. Die ganzen Tiere dort, die überall auch im Haus rumliefen, hatten alle Flöhe und seit diesem Wochenende habe ich überall kleine furchtbar juckende Stiche. Um die 40 bestimmt. Auch von den andren Freiwilligen, die dort waren, haben einige ein paar der kleinen Blutsauger als Souveniere mitgebracht. Jetzt muss ich schaun, dass ich das Viech wieder loswerde, bevor es sich bei mir breit macht und neue Kolonien gründet...
Am Abend dann bekam ich noch ne SMS von Markus, der mich zu nem Treffen mit Fabian (der letztens bei mir übernachtet hat) einlud. Da ich nichts weiter vorhatte, sagte ich zu und wir gingen nach einigem hin und her (Fabian wollte unbedingt in die Erotikbar *gg*) in das FastFood-Restaurant SpringTime und verbrachten dort einige lustige und gemütliche Zeit.
Wieder zurück im Apartment traf ich auch seit zwei Tagen mal wieder auf Alice, die aber nicht so gut drauf war. In den letzten Tagen habe ich sie wirklich so gut wie nie gesehen, da sie auch immer bei ihrem Freund übernachtet. Ich wohne also quasi fast alleine ;-)

Nehmen und Geben

03.10.07, Bukarest
Jeder Tag stellt mich vor neue Herausforderungen. Heute sollte ich mich um 12 mit Eugenia vorm Bambi-Kindergarten, bei dem ich bisher immer mit Andreea war, treffen. Vorher rief sie mich an und sagte, ich solle doch meinen Ausweis, mein Flugticket und meinen Impfpass für sie kopieren. Als ich sie dann fragte, meinte sie, das wüsste sie auch nicht so genau, ich solle halt mal schaun, ob in der Nähe bei mir irgendwo ein Kopiergerät verfügbar ist. Sehr lustig, Eugenia.
Also ging ich los und fragte den erstbesten Passanten, ob er wüsste, wo man hier was kopieren kann. Der verstand mich aber wohl nicht wirklich, zeigte auf eine Bank in der Nähe und ging kopfschüttelnd weiter. Da mir sonst nichts besseres einfiel ging ich eben in die Bank, wo auch gleich ein Sicherheitsbeamter auf mich zukam. Ihm erklärte ich nochmal meinen Wunsch, er konnte aber kein Englisch und rief nen Kollegen. Der konnte auch kein Englisch und zusammen schwiegen sie mich an, während sie ihre Zigaretten rauchten. Dann irgendwann fasste sich der eine wohl ein Herz und nahm mich mit in das Bürogebäude, ging mit mir zum bankeigenen Kopierer, lies mir meine zehn benötigten Kopien raus und wollte noch nicht mal Geld dafür. So kanns gehen.
Aber das Abenteuer ging weiter. Ich ging zur Busstation und fuhr drei Stationen weiter, weil ich mir sicher war, dies sei die richtige Richtung. Nach dem Aussteigen ging ich auch zielstrebig in die nächste Straße, bis ich dann auf einmal vor Alices Universität stand und mir dämmerte, dass ich wohl den Weg verwechselt hatte.
Ich hatte aber auch keine Ahnung, wo dann dieser verflixte Kindergarten war. In den letzten Wochen hatte ich so viele neue Wege nur einmal gesehen, dass ich sie doch durcheinander gebracht hatte. Also ging ich zurück zur Busstation, rief Eugenia an, erzählte ihr meine Lage und fünf Minuten später kam sie mit ihrer alten Dacia angebraust. So von der Richtung her war ich schon richtig gewesen, nur waren es nicht drei Stationen, sondern nur eine. Naja... schon doof, dass mir das passiert ist, nachdem ich mich schon so selbst gelobt hatte, als ich gestern den Weg zum Treffpunkt mit Miki gleich gefunden hatte.
Der Kindergarten war dann auch recht entspannt, da Eugenia mit den Kindern bastelte und meine einzige Aufgabe darin bestand, ihren aufgedrehten Sohn Eugenio zu beschäftigen oder aufzupassen, dass er nicht ganz soviel Chaos anrichtete. Gegen 2 war ich dann wieder in meinem Apartment und hatte vorerst nichts weiter zu tun. Etwas später rief mich nochmal Eugenia an und erzählte mir von dem Termin, den sie für mich bei einer Allgemeinärztin gemacht hatte. Diese Ärztin ist nämlich nun für meinen ganzen Aufenthalt hier meine erste Ansprechpartnerin bei medizinischen Dingen und heute sollte ich ihr vorgestellt werden. Kurz nach 8 sollte ich mich mit Eugenia und ihrer ganzen Familie inklusiver der zwei Söhne an einer Ubahn-Station im Süden Bukarests treffen. Wie nicht anders zu erwarten, kamen sie natürlich ne halbe Stunde zu spät. War aber nicht weiter schlimm, da ganz in der Nähe des Treffpunktes eine Art Volksfest war, das ich mir mal anschaute. Wie ich später erfuhr, ist das dort das ganze Jahr über. Wirklich ziemlich groß und kaum was los.
Bei der Ärztin mussten wir dann nochmal eine weitere Stunde warten, bis wir dran waren. Zuerst untersuchte die Ärztin kurz den älteren Sohn Mihai, bevor sie dann kurz mit mir redete und sich ein paar Dinge aus meinem Impfpass aufschrieb.
Anschließend brachten sie mich wieder zur Ubahn-Station.
Was ich aber unbedingt erzählen muss, ist der Brauch, bei einem Arztbesuch oder auf Ämtern, eine Packung Kaffe, Schokolade oder Geld mitzubringen und dies dem Arzt oder Beamten zu schenken. Sozusagen als Garantie, dass man gut behandelt wird. Das fand ich schon wirklich sehr erstaunlich, vor allem da auch eine richtige kleine Zeremonie daraus gemacht wird mit „ach nein, das wär doch nicht nötig gewesen" und „doch, das ist für Sie" und ganz vielen schauspielerischen Höchstleistungen, um sich eine bessere Behandlung zu erkaufen. Das ist anscheinend wirklich so üblich und Eugenia riet mir auch, das ebenfalls bei jedem Arztbesuch zu tun. Ich glaube ja nicht, dass ich das so hinkriege.
Eigentlich hatte ich vorgehabt, mich nach dem Arztbesuch noch mit Markus, einem der deutschen Freiwilligen, die ich in Apold kennen gelernt hatte, zu treffen. Es war dann aber doch schon etwas spät (kurz nach 10) und ich war auch ziemlich geschafft, daher sagte ich ihm dann ab und fuhr zurück zum Apartment.

Lisa allein unterwegs

02.10.07, Bukarest
Ich weiß nicht, wie oder wo, aber ich hab mir ne Erkältung eingefangen. Dabei ist hier immer noch strahlender Sonnenschein bei 25 Grad. Naja, so schlimm ist es auch nicht. Ein bisschen Halsschmerzen und Schnupfen. Mitleid ist also nicht nötig ;-)
Heute hatte ich wieder volles Programm. Halb 9 sollte ich mich mit Eugenia an nem Ort treffen, an dem ich bisher noch nicht war, aber Alice hatte mir die Strecke gut erklärt und ich war superpünklich dort. Allerdings bekam ich dann auch nen Anruf von Eugenia, dass der Verkehr so schlimm sei, dass sie es nicht rechtzeitg schaffen würde. Ich stellte mich also an die Straßenecke und wartete auf sie. Und wartete und wartete und wartete. Fast anderhalb Stunde lang, bis sie dann endlich auftauchte. Natürlich waren wir dann auch zu spät zu dem Kindergarten-Projekt, das für heute anstand. Wir fuhren zu einem Privatkindergarten der Armee und andren hohen Sicherheitsbeamten. Daher bewachte auch ein in Tarnfarben gekleideter Mann das Eingangtor. Dieser Kindergarten sollte ab nächster Woche mein eigenes Projekt sein. Daher bekam ich dann auch einen rosafarbenen Ausweis, der mich berechtigte, das Gelände zu betreten. Viel Aufwand für nen Kindergarten.
Eugenia und ich gingen dann in eine Gruppe und stellten ihnen mit Powerpoint-Presentationen kurz Origami vor, da in diesem Kindergarten noch nie ein solches Projekt gestartet wurde und das erst alles organisiert werden sollte. Anschließend machten wir auch noch einige einfache Figuren mit den Kiddies und gingen dann zur nächsten Gruppe, bei der das gleiche Programm durchgezogen werden sollte. Allerdings musste ich dann schon eher gehen, da Miki mich angerufen hatte und den nächsten Treffpunkt am andren Ende der Stadt auf 12 Uhr gesetzt hatte. Daher bekam ich von Eugenia einen Beutel mit Origami-Papier für Miki in die Hand gedrückt und die Aufforderung, ich könne doch allein dort hin laufen. Jaaa klar. Einmal quer durch die ganze Stadt, ohne zu wissen, wo ich war, wohin ich gehen musste und wie lange das dauern würde. Aber Eugenia war schon wieder mit den Kindern beschäftigt, also schnappte ich meine Sachen und machte mich auf die Socken. Die Alternative zum Laufen wäre gewesen, dass ich den ganzen Weg zurück zur Ubahn-Station gegangen wär, von da aus dann zwei mal umgestiegen und nochmal vier oder fünf Stationen weiter nördlich fahren würde in total überfüllten, heißen Ubahnen. Und da ich noch fast ne Stunde Zeit hatte, dachte ich mir, könnte ich das mit dem Laufen ja mal versuchen. Zum Glück sah ich auf einem Schild den Wegweiser zum einem Park, in dem ich vor zwei Wochen schon mal mit Misha gewesen war und mich vage erinnern konnte, dass er in der Nähe vom Piata Universitatae ist, was wiederum entfernt in der Nähe von Piata Victoriei ist, wo ich hinmusste. Also lief ich einfach mal drauf los, fand dann auch nach ner Weile einige Gebäude und Straßen, die mir bekannt vorkamen. Schließlich fand ich dann auch die Calea Victoriei, von der ich hoffte, dass sie mich aufgrund der Namensähnlichkeit zum Piata Victoriei führen würde. Nur in welche Richtung war die Frage. Aber ich lief munter und kam nach einiger Zeit dann auch tatsächlich in der Nähe des Piata an. Von dort aus sah ich dann schon das Ubahn-Schild und war auf die Minute genau am Treffpunkt mit Miki. Yeah, da muss ich mich doch mal selbst loben.
Zusammen mit Miki fuhr ich dann noch ein paar Stationen mit dem Bus und nach einem kurzen Fußmarsch kamen wir dann bei einer Schule an, in der wir heute drei Gruppen haben würden. Die erste Gruppe lief auch ganz gut. Es waren Viertklässler, die teilweise schon Origami kannten. Wir bastelten zuerst ein paar ihnen bekannte Figuren und dann ein T-shirt, das sie dann bemalen konnten. In den anderen Gruppen machten wir dann nochmal das selbe und gegen halb 4 war das dann auch geschafft. Für mich gab es da nicht viel zu tun, da ich ja immer noch kein rumänisch kann und dann eigentlich wieder nur zuschaute.
Nach einer Stunde Heimweg kam ich dann ziemlich erschöpft von der Hitze und den Menschenmassen im Apartment an. Schon erstaunlich, wie sehr einen die vielen Menschen, mit denen man im Bus oder in der Bahn eingequetscht ist, zu schaffen machen. Ich bin nach so einer Quetsch-Fahrt immer erledigt.

4. Oktober 2007

Chill out, man!

01.10.07, Bukarest
Heute hatte ich nicht viel zu tun, da ich nen freien Tag hatte. Am Morgen brachte ich Fabian zur Bushaltestelle, von der aus er dann zu sich nach Hause fuhr. Ansonsten machte ich mir nen entspannten Tag und schlief mich erst mal so richtig aus, machte ein paar Einkäufe und ging auch mal zur Post, um Briefmarken zu kaufen. Dabei schloss ich Bekanntschaft mit einer McDonalds-Verkäuferin. Sie stand vor mir in der Schlange und half mir, die richtigen Marken zu bekommen, da die Schalterdame mein Englisch und mein zusammengestöpseltes Rumänisch nicht verstand. Aber endlich hatte es dann geklappt und wir unterhielten uns noch ein bisschen. Sollte ich mal in ihren McDonalds kommen, hat Vana (so hieß das Mädel) mir ne Gratis-Coke versprochen ;-)

achja, mein internet funktioniert immer noch nicht gescheit. fotos von apold kommen spaeter und auch mails etc werden spaeter beantwortet. habt geduld :-)